Wie in vielen anderen Kirchen gilt die Bibel auch in der EmK als Quelle
und Richtschnur für Glauben und Leben. Aber was bedeutet das für unser
konkretes Handeln und Urteilen? Was bedeutet es insbesondere für strittige
Fragen wie Homosexualität oder Ehescheidung, die ganze Kirchen und
Gemeinden entzweien?
An unserem Seminartag wollten wir in einem ersten Schritt der grundsätzlichen
Frage nach der Relevanz der Bibel für unser ethisches Handeln und Urteilen
nachgehen. Wir sahen dabei, dass die Bibel sehr wohl maßgebliche und prägende
Bedeutung für christliches Handeln beansprucht. Aber es zeigte sich auch,
dass die innere Vielfalt der Bibel und unser kultureller Abstand zur
biblischen Zeit es verbieten, einzelne biblische Anweisungen unvermittelt
auf unsere Streitfälle anzuwenden. Die Bibel ist kein Gesetzbuch, sondern
ein vielfältiges Zeugnis von Gottes Handeln mit den Menschen und seinen
Anspruch auf unser Leben, das wir als Einzelne und als Gemeinde
fortschreiben sollen.
In einem zweiten Schritt wollten wir uns der schwierigen und umstrittenen
Frage des Umgangs mit homosexuell empfindenden Menschen zuwenden. Hier galt
es zunächst einmal genau wahrzunehmen, was die Bibel zu diesem Thema
eigentlich sagt und was sie nicht sagt und damit verbreitete Missverständnisse
auszuräumen. Dann war zu prüfen, in welcher Weise die Bibel uns ethische
Leitlinie für diese und andere Fragen (Ehe ohne Trauschein,
Wiederverheiratung Geschiedener) sein kann. Abschließend dachten wir darüber
nach, wie wir im Geist Christi mit den unterschiedlichen Auffassungen in
Kirche und Gemeinde umgehen können.
Referent war Dr. Jörg Barthel, Professor für Altes Testament und Rektor
an der Theologischen Hochschule der EmK in Reutlingen.
Christuskirche, 25.02.2012